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Über 130 Jahre Turnverein Malstatt

Die Anfänge der Turnerei im Saarland liegen fast 120 Jahre zurück. Während in den Nachbarstädten St. Johann und Alt-Saarbrücken bereits Turnvereine bestanden, hatte die Bewegung noch keine festen Formen angenommen. Fast 30 Jahre später, im Jahre 1876, erfolgte nach St- Johann und Alt-Saarbrücken die Gründung des Turnverein Malstatt .

Gründer und erste Turnväter in unserem Verein waren Wilhelm Haase, J. Bastuck, August Diener, K. Rittner, Fr. W. Rief, Johann Koob und Johann Thielen. Bei der Grün¬dungsversammlung am 17.10.1876 wurde Wilhelm Haase offiziell als Turnwart und erster Vorsitzender des Turnverein Malstatt gewählt.

Mit der Begeisterung für Sport und Spiel organisierte sich der junge Verein mit einer beispiellosen Begeisterung. Benötigte Turngeräte wurden durch freiwillige Spenden beschafft. An eine Turnhalle war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Aufgenommen wurde der Turnbetrieb unter primitiven Verhältnissen im Saale der Witwe Becker.

Trotz aller Hürden die in den ersten Jahren überwunden werden mussten, festigte sich das Vereinsleben und nach einem Jahr konnte der junge Verein bereits 60 sportbegei¬sterte Mitglieder zählen.

Obwohl es 1882 noch keine weiblichen Mitglieder im Verein gab, wurde die erste Vereinsfahne von Frauen und Mädchen des Stadtteils Malstatt gestiftet und am 12. Juli 1882 auf dem Malstatter Markt (Köllner Straße) geweiht.

In den ersten 10 Jahren änderte sich mehrmals die Vereinsführung. Vorstandsmitglied Julius Recktenwald übernahm 1890 die Leitung des Vereins. Als Turnlehrer und späterer Turninspektor wurde Johann Poller gewählt. Beide führten den Verein bis nach dem ersten Weltkrieg. Als treue Helfer standen Ihnen die Turnwarte Johann Kneip und Karl Molter zur Seite.

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt Saarbrücken hielt auch der Aufstieg des Vereins Schritt.

Während der kälteren Jahreszeit wurde das Turnen im Saale des Vereinslokals Tivoli (Ecke Köllner Straße und Breite Straße) abgehalten. Der Garten des Vereinslokals, die Koksanlage hinter der heutigen Klausenerstraße und ab 1906 die große Wiese hinter dem früheren Malstatter Rathaus (Ecke Paul-Schmook-Straße und Breitenbacher Straße) dienten als Turnplätze während der Sommerzeit.

Im Jahre 1895 zählte der Verein bereits stolze 500 Mitglieder und dem Turnverein Malstatt wurde die Durchführung des 10. Gauturnierfestes übertragen. Es war die erste turnerische Großveranstaltung im Stadtteil Malstatt. 1901 konnte das 25 jährige Stiftungsfest gefeiert werden und mit Rücksicht auf die turnerischen Leistungen wurde dem Verein im Jahre 1906 erneut die Austragung des Gauturnfestes übertragen. Es war ein Hochfest. Der Überschuss von 1000,- DM wurden dem Turnhallenbaufond zugeführt. Dieser wurde bei der Vereinshauptversammlung im Jahre 1890 ins Leben gerufen.

An Ideen für die Beschaffung von finanziellen Mitteln fehlte es nicht. Bausteine wurden in der gesamten Turnerschaft als Spende verkauft, im Stadtpark Ludwigspark wurde ein Turnbasar organisiert. Die Malstatter Gesangsvereine „Liederkranz" und „Euphonia" veranstalteten Konzerte zu Gunsten des Vereins. Mit Überschüsse des Vereins aus Beiträgen der Mitglieder, Sammlungen in der Bürgerschaft, Spenden von Malstatter Firmen wurde der Baufond weiter aufgestockt. Vor allem galt damals der Dank des Vereins den Ehrenmitgliedern, Kommerzienrat Edgar Böcking, Frau Witwe C. H. Böcking und dem Fabrikanten Eugen Limbourg für ihre hochherzigen Stiftungen. Durch das große Engagement konnte die Hauptversammlung am 10. Juli 1908 den Beginn der Bauarbeiten beschließen.

Nach der Grundsteinlegung am 13. 9. 1908 konnte am 16. und 17. 10 1909 die feierliche Einweihung der Turnhalle stattfinden. Mit der Erfüllung des langersehnten Wunsches setzte besonders beim Geräteturnen eine starke Aufwärts-Tendenz ein. Was wurde aber bis zur Inbetriebnahme der neuen Turnhalle im Verein alles geturnt und gespielt?Turnhalle im Aufbau

Turnhalle im Aufbau (1908 - 1909)

Die Leichtathletik stand z. Zt. schon auf beachtlicher Höhe. Das Tambourinspiel wurde sehr gepflegt, der Schleuderball, der Diskus, die Kugel und der Stein geworfen und die starken Männer maßen sich im Ringkampf oder beim Fechten mit schweren Säbeln und beim Stemmen. Die Freiübungen wurden verschönert durch Keulenschwingen, Turnen mit Stäben und Hanteln, der Rundlauf, die Kletterstange und das Tauziehen, die Sprossenwände sowie der Hochsprung über die Schnur und das Weit- und Freiweitspringen vom Sprungbrett aus brachten Begeisterung und Schwung in die Reihen der Ausübenden.

Leider fand das aufblühende turnerische leben des Vereins durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914/1918 ein jähes Ende. Eine Anzahl unserer aktiven Mitglieder kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Zu Ihrem Gedenken wurde in der Turnhalle eine würdige Ehrentafel errichtet. Da vorerst das Turnen wegen der Besetzung von französischen Truppen nicht mehr in der Halle stattfinden konnte, verlegte man den Spielbetrieb vorerst in den Ludwigspark. Auf Anregung unseres Vereines bei der Stadt Saarbrücken wurde unterhalb des Schießstandes ein großer Turn- und Spielplatz errichtet. Auf der neuen Spielstätte entwickelten sich die Abteilungen des Vereins, die bis zum heutigen Tag ein wesentlicher Bestandteil des Vereines sind. Unter der Leitung von „Chef" Robert Melzow wurden große und schöne Erfolge errungen. Wer weiß heute noch etwas vom „Müllern" oder den beliebten Tauübungen und den großen Waldläufen jeden Sonntagmorgen.

Erfolgreich und gefürchtet waren unsere Faustballmannschaften, die bis zu den Spitzenkämpfen vordrangen. Das erste ausgetragene Handballspiel, war gegen das Ludwigsgymnasium Saarbrücken. Als Ball diente damals der dicke und schwere Faustball. Im Jahre 1928 wurde in Köln die Deutsche Meisterschaft gegen die Berliner Turnerschaft ausgetragen.

Im Jahre 1920 verstarb der erste Vereinvorsitzende Georg Julius Recktenwald und sein Nachfolger wurde das langjährige Vorstandsmitglied Karl Burg, der den Verein bis 1928 leitete. Den Höchststand seiner Entwicklung erlebte der Verein von 1921 bis 1935. Die Turn- und Spielabteilungen waren in voller Entfaltung. Die Geräteturner, die Schlagballmannschaft, die Ringtennismannschaften, die Tischtennisabteilung, die Wasserballmannschaften, die Handball- und Faustballmannschaften, die Leichtathletik- und Fechtabteilung, die Gesangs- und Theaterabteilung, die Kegel- und Schützenabteilung, die Wanderabteilung, die Akrobatenabteilung sowie die Schachabteilung standen unter Führung bewährter Turner und Turnerinnen und zählten zu den besten des Turnkreises. Leider existieren einige dieser hier aufgeführten Abteilungen nicht mehr. Das starke Anwachsen des Vereins machte es erforderlich die Turnhalle zu vergrößern. So wurde 1927/28 die Halle erheblich erweitert, ein geräumiger Bühnenraum, eine Kegelbahn und ein Schießstand errichtet. Mit der teilweisen Verpachtung an die Stadt für den Schulbetrieb hatte der Verein ein zusätzliche finanzielle Quelle zur Unterstützung.

Die großen Turnfeste des Gaus wurden regelmäßig und zahlreich besucht. Mit vielen Auszeichnungen kehrten die Turner und Turnerinnen des TV Malstatt in jenen Jahren nach Hause.

1928 legte Karl Burk das Amt als erster Vorsitzender nieder. Später wurde Karl Burg für seine großen Verdienste als Ehrenmitglied des Deutschen Turnerbundes geehrt und erhielt als staatliche Ehrung nach dem zweiten Weltkrieg hierfür das Bundesverdienstkreuz. Sein Nachfolger wurde der Fabrikant E- Sehmer, der das schwere Amt genau wie seine Nachfolger Albert Hartenbach und Dr. med. Heinrich Senne gut verwaltete. Von 1935 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges wurde Erwin Taffe zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Die Wirren des zweiten Weltkrieges sind an dem bis dahin erfolgreichen Verein nicht spurlos vorüber gegangen. Am 5./6. Oktober 1944 wurde die mit viel Engagement und Fleiß erbaute Turnhalle bei einem Luftangriff in Schutt gelegt. Auch die Liste der aktiven und inaktiven Mitglieder, die dem Krieg zum Opfer fielen, nahm erschreckend zu. Nach Kriegsende wurde der Jahn'sche Geist der Mitglieder noch mal lebendig und nach Aufhebung des Turnverbotes erfolgte am 2. 9.1950 die Neugründung des TV Malstatt.

Zum ersten Vorsitzenden wurde Fritz Maurer gewählt, der mit W. Glimm, R. Neises, A. Scheer und A. Kreis die schwerste Zeit Neugründung und Wiederaufbau meisterte. Bereits zwei Jahre später 1952 war es geschafft den Grundstein für die neue Turnhalle zu legen. Zwei Urkunden wurden eingemauert. Die alte von 1908, die fast schon vergessene Einzelheiten aus der frühen Geschichte des Vereins enthält und die neue Urkunde mit Tageszeitung vom 25. Oktober 1952, sowie Münzen und Banknoten der Gegenwart. Die neue Turnhalle konnte gebaut werden. Es wurde in den folgenden Jahren viel auf allen Gebieten gearbeitet, wie Ausbau der Halle, Verschönerung der Wirtschaftsräume, Modernisierung der Kegelbahn usw.

Die neue Turnhalle

Neue Turnhalle (Grundsteinlegeung erfolgte am 25.10 1952)

Nachfolger von Fritz Maurer wurden als erste Vorsitzende Dr. med. Harlandt, Erich Rester, Rudi Deckarm, Helmut Fetten, Hans-Jürgen Kallenbach und Karl Müller.

Am 23. Mai 1965 wurde die neue Vereinsfahne des TV Malstatt feierlich eingeweiht Der Ehrenvorsitzende des Vereins und des STB weihte die Fahne mit einer festlichen Rede gebührend ein.

Der Verein wuchs und gedieh mit seinen zahlreichen Angeboten verschiedener Sparten. Aber Anfang der 70er stellten sich neue finanzielle Probleme ein. Obwohl der Verein stolz 1200 Mitglieder zählte, trieben unerwartete hohe Reparaturkosten, Heizungskosten und sonstige Aufwendungen den Verein langsam aber sicher in die roten Zahlen.

In dieser Zeit wählte der Verein erstmals bei der Generalversammlung am 1. April 1970 einen Vereinpräsidenten. Dies war der Saarbrücker Bundestagsabgeordnete Dr. Günther Slotta. Mit dem in dieser Zeit amtierenden Vorstand und Präsidenten gelang es den Verein aufrecht zu erhalten, was allerdings nach schwierigen und langen Verhandlungen mit der Stadt Saarbrücken, die Schenkung der Halle an die Stadt zur Folge hatte.

Das Verhandlungsergebnis wurde in der nachfolgenden Generalversammlung von den Mitgliedern schweren Herzens gebilligt. Aber eines war den Sportlern sicher, die Halle konnte weiter für Ihre sportlichen Aktivitäten genutzt werden. In den folgenden Jahren wurde der Vorstand mit treuen und langen Verdiensten nach und nach durch die Mitglieder neu gewählt.

In Neubaugebiete auf Rodenhof und Eschberg zogen Malstatter Mitglieder die neue Abteilungen dem TV Malstatt zugehörend bildeten. 1987 wurden die Deutschen Meisterschaften des Ringtennis ausgerichtet.

Auch unsere zähe und immer noch aktive schon etwas ins Alter gekommene Prellballabteilung kann zahlreiche Erfolge verbuchen. Sie spielen auch heute immer noch um die ersten Plätze mit.

Wegen dem Bau der Saarbahn musste 1997 der Jahnsportplatz zwangsläufig verkleinert und neu gestaltet werden und wurde am 24. 5. 97 neu „eröffnet". Im Jahre 2001 feierte der Verein das 125 jährige Stiftungsfest des Vereins im Rathaussaal in Saarbrücken.

 

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